Jeantex 2009

Transalp 2009 – Etappenberichte von den Teilnehmern Uwe Röpstorf u. Kurt Noack

Samstag, 27.06.2009
Anreise

Der Bayer-Express startete um 6:00 Uhr morgens zur Transalp 2009 in rekordverdächtiger Zeit nach Sonthofen, wo uns Regen und Gewitter erwartete. Prognose für unsere Rennwoche: Regen und Gewitter. Wir hatten genügend Zeit  einzuchecken und bei der Bundeswehr Quartier zu beziehen. Abends Pastaparty und morgens ein grandioses Frühstück.



Sonntag, 28.06.2009
1. Etappe: Sonthofen nach Imst, 121 km - 2447 Höhenmeter

Am Abend zuvor wurde uns für diese Etappe 85%ige Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt, was bei allen Startern Unsicherheit in Bezug auf richtige Bekleidung auslöste. Die Wahrheit: Trocken und reichlich Sonne. Beim Blick auf die Etappe waren wir uns einig; es gibt nur eine Verpflegung für uns. Rausgekommen ist: Kein Anhalten an den Verpflegungsstationen, sondern nur beim Vorbeifahren reichlich nach Gels gegriffen.

Nach kurzem Einrollen erfolgte die erste Prüfung. Wir haben nicht auf den Puls gehört und so „leicht überpaced“. Dies rächte sich hauptsächlich bei Nr.149a (Kurt) am Hahntennjoch, wo Nr. 149b (Uwe) bald außer Sicht war. Er hatte sein eigenes Erlebnis, von dem Kurt erst im Ziel erfuhr. Uwe war am Hahntennjoch angekommen und wollte auf das große Blatt schalten, wobei ihm der komplette Umwerfer wegflog. Es ging nichts mehr. Tour zu Ende?

Aber nicht bei Uwe. Nach bitten und betteln bei Hilfskräften, welches einem Hobbyfahrer auffiel, wurde ihm von diesem geholfen. Uwe schnitt seinen Transponder ab, steckte ihn vorne in die Radhose und der Typ gab ihm sein Rad für die Abfahrt, welche ins Ziel führte. (Uwe fährt Look, der Hobbyfahrer SPD). Den Rest könnt Ihr Euch denken. Beide kamen gesund ins Ziel. Der Hobbyfahrer heißt Schreiber und gewann 2x Grande Master 2007 und 2008 bei der Transalp. Radsporthändler Rose sponserte Uwe ein neues Leihrennrad für den Rest der Tour.

Zum Hahntennjoch: Mit wenigen Ausnahmen sehr steil, im Durchschnitt 12%.
Unterkunft in einer Tennishalle mit magerem Frühstück, aber wir hatten unser selbstgebackenes Kraftbrot am Mann.

Montag, 29.06.2009
2. Etappe: Imst nach Ischgl, 148,62 km - 2770 Höhenmeter

Zu unserem Leidwesen gab es auf 20 km einen neutralisierten Start. Dies bedeutet, dass alle hinter dem Führungsfahrzeug fahren, bis grünes Licht kommt. Danach kam welliges Gelände, das dem Rennen seinen Stempel gab. Es ging stetig bergauf bis der Arlbergpass kam (giftig). Verpflegung 1 wurde ausgelassen. In der folgenden Abfahrt bildeten sich verschiedene Gruppen und es wurde sehr schnell. Nach der Hälfte der Etappe begann ebenfalls ein langgezogener Anstieg, der im Pass zur Bielerhöhe endete; Baumgrenze und viel Schnee. Verpflegung 2 wurde beachtet. Dieser Pass war vor entscheidend für diese Etappe, da nur noch 20 km Abfahrt nach Ischgl folgten. Uwe kam im 2. großen Feld an, wobei Kurt noch nicht zu seiner Form gefunden hatte (Kopf- und Halsschmerzen), beide waren aber zufrieden im Ziel.

Nach kurzer Erholung gingen wir in den Ort Ischgl, unsere Belohnung: Uwe großes Eis und Kurt Weizen. Kurts Gefühl sagt, Uwe bekommt immer mehr Spaß an der Tour.

Dienstag, 30.06.2009
3. Etappe: Ischgl nach Sölden, 119,98 km - 2415 Höhenmeter

5:00 Uhr aufstehen, wir sind erster – beim Frühstück – 5:40 Uhr, da die Taschen schon bis 7:30 Uhr verladen werden müssen. Schwerste Tasche wog 36 kg – zugelassen 15 kg.

Kurt ging angeschlagen zu Bett. Aspirin und Vorbeugepille von Uwe hat geholfen, fühlte sich heute um einiges besser, dies zeigte sich auch von See nach Tobadill, wo er sein geliebtes 39iger im Berg treten konnte. Heute ging es wieder 22 km mit neutralisiertem Start nach Sölden. Kein Blick für den Radnachbarn, geschweige für die Landschaft. Hohe Konzentration. Dann ging es los. Uwe wie immer gut drauf, Kurt hatte ihn aber immer Blick bis zur Pillerhöhe, wo zur Verpflegung gebeten wurde, aber nicht für uns. Sehr scharfer Pass, im Durchschnitt 12 %, Stellenweise 16 und 20%. Dann verloren wir uns aus den Augen, da schnelle Abfahrt und eine sehr unübersichtliche Straßenführung. Uwe fuhr durch. Kurt nahm den Mund voll mit Studentenfutter, Melone in der Hand und Flasche voll. Dann weiter auf den letzten 30 km immer bergauf und Wind von vorn bis Sölden. 149a vermisste 149b. Uwe kam in 4,12 h und Kurt in 4,18 h ins Ziel. Uwe kann es nicht glauben, wie viele Paare schon vor ihm im Ziel waren. Uwe ist sauer, Kurt hatte ihm versprochen, dass in Sölden alle in Pensionen und Hotel untergebracht werden. Erfahrung aus den letzten 2 Jahren. Pustekuchen, warme Tennishalle, aber mit Erlebnisbad. Uwe hat Rückenprobleme, welche vom Arzt nicht behoben werden konnten. Er macht sich große Sorgen für die nächsten Tage, kann sich kaum bücken. Tabletten und eine Rückenmassage vom Kurt. Abends Pastaparty, doch für Brötchen und Getränke mussten wir löhnen, unglaublich.

Mittwoch, 01.07.2009
4. Etappe: Sölden nach Naturns, 91,19 km - 1848 Höhenmeter

Nach einer warmen Nacht wollte der Bayer-Express das Morgenbuffet um 5:30Uhr stürmen, doch wurden wir schroff zurückgewiesen. Kurt bekam auch keinen Kaffee. Um 6:00 Uhr begann dann die Schlacht um das Frühstück. Die Taschentransporter mussten um 7:00 Uhr schon alles verpackt haben, da die Fahrzeuge unsere Passstraßen nutzen mussten, sonst riesiger Umweg und die Taschen wären nicht vor uns da. Heute stand die kürzeste Etappe an. Ab Sölden war die gesamte Strecke autofrei. Danke an die Karabinieri. Höhepunkt nach 25 km war das Timmelsjoch mit 2509 Höhenmetern. Rechts und links meterhohe Schneewände und reißende Bäche von Schmelzwasser, eine grandiose Landschaft. Es folgte eine 40 km lange Abfahrt, welche sich durch Weinberge zog und so höchste Konzentration forderte. Die letzten 25 km waren wellig und sehr schnell. Naturns erwartete uns mit Sonnenschein und über 30°. Von Regen weit und breit keine Spur. Da kam nur der Italiener für uns in Frage: Eis, Kaffee und Weizen. Unterbringung in gekühlter Turnhalle. Uwe hatte seine gute Tat, er fing in der Turnhalle eine freilaufende Eidechse ein und setzte sie raus.

Bereits seit der 2. Etappe begegneten wir einem Herrenteam, wo einem von Beiden der linke Trikotärmel flatterte. Er hat nur einen Arm, für uns unvorstellbar, nicht am Pass, sondern in den gefürchteten und technisch anspruchvollen Abfahrten. Er ist immer unter den besten 100 Teams zu finden.

Zu unseren Höchstgeschwindigkeiten: 1. Tag 80km/h; 2. Tag 93 km/h.
Wir können jeden Tag zufrieden sein, weil beide gesund im Ziel ankommen.

Donnerstag, 02.07.2009
5. Etappe: Naturns – Livigno, 118,30 km - 3570 Höhenmeter

Wie immer eine warme und unruhige Nacht. Der Bäcker lieferte unpünktlich die Brötchen, ansonsten war das Frühstück okay. Da die Tour mit Sonnenschein gestartet wurde und auch für den Tag nur kleine Schauer vorausgesagt wurden, fuhren wir blank, d.h. ohne Weste, ohne Regenjacke und Ärmlinge, Uwe ärmellos. Beide hatten wir gute Beine. Neutralisierter Start über 38 km, welche leicht bergauf gingen. Dies forderte schon am Anfang hohe Konzentration und Körner. Dann kam das Stilfserjoch (höchster Punkt dieser Tour mit 2753 Hm) mit seinen 48 Kehren auf 2200 Höhenmetern und 25 km Länge. Wurde von uns Beiden gut bewältigt. Noch im letzten Anstieg zogen dichte Wolken auf und es folgte Regen. Gefühlte Temperatur von Kurt 5°. Es folgte eine nasse, serpentinreiche Abfahrt durch dunkle Tunnels. Am Ende der Abfahrt waren wir und die Straßen trocken. Nach kurzem Flachstück ging es in den Passo Foscagno, den wir bei Sonnenschein passierten. Nun ging es noch über den Passo dÉira und im Ziel setzte extremer Platzregen ein. Das hieß für die Teilnehmer, welche noch viele Stunden unterwegs waren Tortour (10°). Unsere Zeiten: Uwe 5,14h, Kurt 5,23h; einen Platz gut gemacht. Nach lockerem Spaziergang war Pastaessen angesagt.

Nach harter Etappe wurden wir alle in einem relativ kleinen Raum gelegt, sprich keinen Gang zwischen den Matten, jeder musste über den anderen springen. Glücklicher Weise fand Uwe den Schneideraum von den Kameraleuten, wo wir ungestört bis 6:00 Uhr schliefen.

Freitag, 03.07.2009
6. Etappe: Livigno – Kaltern, 180,76 km - 3770 Höhenmeter

Heute wollten wir gemeinsam Gesamtplatz Nr.8 der Grand Master in Angriff nehmen und das Jo-Team aus Dresden verdrängen. Wolfgang aus Heidelberg wollte uns dabei helfen. Er ist sehr stark am Berg, hat leider nur einen schwächeren Partner. Das erste Mal in Kurts 3-jähriger Transalpgeschichte wurde ein Plan ausgearbeitet. Wolfgang schmuggelte sich morgens zu uns in Block B, aus dem wir jeden Morgen starteten. Wolfgang ist Vizeweltmeister im Berglauf bis 1000 Höhenmeter der 50-jährigen.

Natürlich hatten wir wie jeden morgen Kribbeln im Bauch und großen Respekt vor der Strecke. Doch der Plan ging nicht auf. Anfangs hatten wir das Jo-Team noch hinter uns, doch dann schoben sich beide an uns vorbei. Trotzdem sicherten wir uns Platz 8 der Grand Masters, weil ein anderes Team hinter uns blieb. Gesamtplatzierung nach der 6. Etappe 103.

Landschaftlich eine der schönsten Etappe, nach Uwes Meinung auch die Schwerste. Allein der Gaviapass mit seinen vielen „kleinen“ Spitzen und einer gefährlichen Abfahrt. Die Abfahrt hatte mittig einen Tunnel mit Rechtsknick. Trotz Brillenabnahme war blind fahren angesagt. Mitfahrer waren teilweise nicht zu erkennen, man hat sich mit Rufen aufmerksam gemacht. Trotz großem Plan sind wir getrennt gefahren und ziemlich gleichzeitig ins Ziel gekommen, (5,33 / ,38 h ). Danach saßen wir in Kaltern und ließen es uns gut gehen. Die Speicher wurden gefüllt und es kommt leichte Vorfreude auf, die letzte Etappe steht an, wir sind platt.

Samstag, 04.07.2009
7. Etappe: Kaltern – Arco, 102,73 km - 1546 Höhenmeter

Nach relativ angenehmer Nacht unter freiem Himmel ging es auf die 7. Etappe, 30 km neutralisierter Start. Große Anspannung im Feld und immer wieder die begleiteten Geräusche – psch…. Platten und klack,klack….Speiche gerissen. Nach 30 km Stopp für alle wegen einer Schranke im Ort. Bäche von Urin ergossen sich von den Hauswänden auf die Straße. Ekelhaft. Heute war gemeinsames Ankommen angesagt. Ziel aber auch, unsere Platzierung zu halten.

15 km-Pass Della Paganella. Es war schon sehr warm und man musste reichlich trinken. Wir hatten gute Gruppen auf den Flachstücken, welche super funktionierten. An der letzten Verpflegung füllte Uwe dem Kurt eine Flasche und rief, er solle weiterfahren. Es ging leicht aufwärts und Kurt blieb in seiner Gruppe. Es wurde sehr schnell. Ab und zu ging Kurts Blick nach hinten, aber von Uwe nichts zu sehnen. Kurt ließ die Gruppe ziehen, die nächste kam und auch da war Uwe nicht dabei. Wir hatten uns verspekuliert, es kam dann eine 15 km Abfahrt, in den Zielort Arco, wo die Zeitnahme 1,5 km vor dem Ziel war. Dort fuhr Kurt noch allein durch. Wenig später war auch Uwe da. Wir fuhren gemeinsam über die Ziellinie in Arco.

Alle unsere Ziele gingen in Erfüllung: gesund, pannenfrei mit Uwes Leihrad, super Platzierung und fast nur Sonne. Nach dem wir unsere Wunden geleckt hatten (Dusche und Pflege) gaben wir unsere Räder ab (LKW nach Sonthofen). Dann suchten wir uns einen kühlen Platz beim Italiener mit den zwei Freunden aus Heidelberg und begossen die 7 Tage. Dann ging es zur Party, es roch nach Fleisch –Hähnchen mit Pommes-. Kurt mag diese nicht so sehr, aber bekam nicht genug davon. Es folgte die Siegerehrung aller Finisher. Es war ein tolles Gefühl für uns beide, das Trikot auf der Bühne über zu streifen. Natürlich ging es später noch mal ins Städtchen, um eine große Portion Eis zu genießen. Geplant war eine Nacht im Freien, aber ein Gewitter ließ es nicht zu, sorgte aber für angenehme Temperaturen.

Sonntag, 05.07.2009
Abreisetag

Keiner wusste wo wir unser Frühstück einnehmen sollten, so liefen wir einfach in die Stadt und hatten auch Glück den Italiener zu finden, welcher für uns zuständig war. Einfaches Frühstück mit Tischbedienung. Wir packten unsere Taschen für die Abreise und genossen noch einen italienischen Kaffee. Mit ein wenig Wehmut, aber großer Freude auf Familie und Freunde ging es mit dem Bus nach Sonthofen. Nach kurzer Autofahrt machten wir Halt in Kempten in einem schönen Brauhaus. Wir gönnten uns einen Schweinebraten und Steak. Danach ging es non Stopp nach Hause.

Uwes Fazit:
Einfach Klasse Tour.
Keinen Euro bereut.
Gute Organisation einer soliden Großveranstaltung.
Viel Glück mit dem Wetter.
Super viel Glück beim Fahren.
Tolle Mitstreiter, schöne Orte und den besten Teampartner, den ich mir vorstellen kann.
Jeder Zeit wieder, lieber Kurt.
Danke Claudia.


Kurt:
Danke Uwe, Dein Partner!


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